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Lieder der ReformationLieder der ReformationReformationsjubiläum 2017

Unser Reformationsreigen geht natürlich auch in diesem Jahr weiter, zumal wir nun in den Höhepunkt der Reformationsdekade, das eigentliche 500. Reformationsjubiläum einsteigen.

Die Reformatoren transportierten ihre Botschaften wesentlich durch Lieder. Dabei bedienten sie sich bekannten Volksliedgutes ebenso, wie alter Kirchenlieder, die sie eindeutschten oder mit neuen Texten versahen. Allein im Evangelischen Gesangbuch(EG)  finden sich 32 Lieder, die in Text oder/und Melodie auf Luther zurückgehen.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes


Die Beiträge des vergangenen Jahres können Sie übrigens in unserem Archiv unter
Reformationskalender 2016  nachlesen.




 

„Was mein Gott will, gescheh allzeit...“ EG 364


Wegweiser zur "Hohen Liebe"Wegweiser zur "Hohen Liebe"„So Gott will“ hat meine Großmutter oft gesagt. Als Kind hörte ich diese Redewendung, ohne weiter darüber nachzudenken. Die dahinterliegende Vorstellung hab ich erst später begriffen. Wir können noch so viele und gute Pläne machen – wenn Gott nicht einwilligt, wird daraus nichts. Wir kommen nicht darum herum, in Gottes Willen einzuwilligen. Andersfalls werden wir uns daran aufreiben, weil es nicht nach unserem Kopf geht. Und Glauben bedeutet zu vertrauen, dass dieser Wille Gottes im Innersten gut ist, er ist Ausdruck seiner hohen Liebe zu uns.

Ein beeindruckendes Zeugnis für diese Einwilligung in Gottes Willen gibt das Lied „Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Will, der ist der beste.“ von Herzog Albrecht von Preußen (1490-1568). Als Kind wurde für ihn eine geistliche Laufbahn bestimmt. Albrecht wurde mit 21 zum Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen gewählt und war zugleich dessen letzter Hochmeister. Denn 1525 legte er diese Würde ab, verwandelte das Ordensland in ein weltliches Herzogtum (unter polnischer Oberhoheit) und führte im selben Jahr die Reformation in seinem Herzogtum ein. Er gründete 1544 die Königsberger Universität und war bis zu seinem Lebensende aktiv an den harten Kontroversen um die rechte Fassung des evangelischen Glaubens beteiligt.

So kämpferisch wirkt das Lied 364 allerdings gar nicht. Sondern es spricht aus ihm die Einwilligung in Gottes Willen und die Gewissheit, dass Gottes Wille für uns gut ist, dass er hilft, tröstet und die Menschen nicht verlässt die ihm vertrauen:
Einwilligen in das was ich erleben muss. In meinem Schicksal das erkennen was Gott mir schickt. Seine „hohe Liebe“ in dem entdecken was mir widerfährt, weil es Gottes Wille ist. Und in all dem vertrauen, dass Gott über mein Leben mehr weiß als ich selber, dass er mich besser kennt als ich mich kenne. Oder kenne ich etwa die Zahl meiner Haare?
Ich staune über dieses Gottvertrauen, von dem Albrechts Lied zeugt. In diesem Gottvertrauen besteht er die Kämpfe des Lebens.

Wenn wir heute sein Lied singen, dann lassen wir uns auf seine Erfahrung und sein Gottvertrauen ein. Wir versuchen, Gottes Liebe zu vertrauen bei allem was uns widerfährt.
Aber lebe ich, leben wir tatsächlich so vertrauensvoll in Gottes Liebe? Mir reicht es oft schon aus, wenn früh am Tag was schief läuft, wenn die Brötchen im Herd verbrannt sind oder wenn die Verkehrsampeln alle auf Rot stehen und vor mir ein Traktor fährt, sodass ich nicht mehr pünktlich zu meinem Termin komme. Und wie ist es erst, wenn es wirklich um die großen Dinge geht? Wenn mich eine Krankheit im Leben zurückwirft? Wenn ich mir ernsthafte Sorgen um einen lieben Menschen machen muss? Wenn mein Leben zu Bruch geht?

„Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Will, der ist der beste.“ Es verlangt viel Glauben, das nachzusprechen und zu singen. Und wir sind vielleicht auch erst auf dem Weg, Gottes hohe Liebe mit uns zu entdecken. Vielleicht entdecken wir sie auch erst am Ende? Denn zuletzt hat Albrechts Lied das Ende im Blick: „Drum muss ich Sünder von der Welt...“ Wenn Kampf und Widerstand dagegen nichts mehr ausrichten können, haben wir immer noch eins: Wir befehlen uns Gott an. Das Schlimmste hat er für uns überwunden: Sünd, Höll und Tod. Und dann können wir hoffen mit Albrechts Lied, dass uns Gott in seiner Liebe aufnimmt: „Mein arme Seel ich Gott befehl.“

Superintendent Dieter Bankmann, Aue